Beifall und Gegenwind für die Heidekrautbahn

Quelle: maz-online.de / Author & Foto: Helge Treichel

Land, Kreis und Kommunen feierten am Dienstagabend den Durchbruch für die Heidekrautbahn (RB27). Das geplante Reaktivieren der alten Stammstrecke bis Ende 2023 stieß im überfüllten Bürgersaal auf Beifall, aber auch auf Kritik.

Schildow
Land, Kreis und Kommunen feierten am Dienstagabend im Schildower Bürgersaal den Durchbruch für die Heidekrautbahn (RB27). Das geplante Reaktivieren der alten Stammstrecke bis Ende 2023 stieß im überfüllten Bürgersaal auf viel Beifall, aber auch auf heftige Kritik.

Ex-Minister und Ex-Landtagsabgeordneter Reinhold Dellmann moderierte die Veranstaltung in Schildow. Quelle: Helge Treichel

Im Jahr 2017 war die Heidekrautbahn als Teil des Infrastrukturprojektes „i2030“ beschrieben worden. Hierbei werden die Planungen beschleunigt vorangetrieben. Kürzlich haben die Länder Berlin und Brandenburg mit der Niederbarnimer Eisenbahn AG (NEB) eine Planungsvereinbarung zur Reaktivierung der Heidekrautbahn-Stammstrecke unterzeichnet. Geplant ist die Wiederinbetriebnahme der rund 14 Kilometer langen Trasse vom Abzweig Schönwalde bis nach Berlin-Wilhelmsruh ab dem Fahrplanwechsel 2023. Perspektivisch soll die Strecke auf der Nordbahntrasse bis nach Berlin Gesundbrunnen verlängert werden.

Mit der „Heidekrautbahnkonferenz“ fand am Dienstagabend die erste große Informationsveranstaltung zu dem Millionenprojekt statt. Rund 400 Gäste folgten der Einladung.

Veranstalter waren die Gemeinde Mühlenbecker Land und die Kommunale Arbeitsgemeinschaft „Region Heidekrautbahn“ (KAG). In den kommenden Monaten werde die NEB weitere Informationsveranstaltungen entlang der Stammstrecke anbieten, kündigte NEB-Vorstand Detlef Bröcker an. Dabei sollen die planungsrelevanten Gegebenheiten vor Ort vorgestellt und Fragen beantwortet werden.

Ministerin Kathrin Schneider referierte über die Entwicklungschancen für die hiesige Region. Quelle: Helge Treichel

„Wir wollen mehr Züge, mehr Plätze und eine bessere Taktung – das ist die große Überschrift“, sagte Kathrin Schneider (SPD), Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung. Damit werde dem Ziel eines umweltverträglichen Verkehrs Rechnung getragen, gleichzeitig aber auch den wachsenden Mobilitätsanforderungen. Dafür sollen laut Nahverkehrsplan bis 2030 zehn Millionen Zugkilometer zusätzlich auf die Schiene gebracht werden. „Das ist ein richtig großer Schluck“, sagte die Ministerin. Aktuell seien es 33 bis 34 Millionen Zugkilometer. „Wir nehmen jedes Jahr zehn Millionen Euro in die Hand und schaffen so einen Planungsvorlauf“, sagte Kathrin Schneider.

Landrat Ludger Weskamp während seines Vortrages. Quelle: Helge Treichel

Es gebe keinen anderen Landkreis mit so vielen Pendlern, sagte Landrat Ludger Weskamp (SPD). Nach außen seien es bis zu 33 000 Menschen, nach Oberhavel hinein etwa 19 000. „Wenn wir ein gutes Angebot schaffen wollen, geht das nur über den ÖPNV“, so Weskamp. Dafür begnüge sich der Landkreis nicht mit Appellen, sondern investiere bis zu 15 Millionen Euro, laut aktuellem Haushalt für 2019/20 allein sechs Millionen Euro. „Nur so werden wir den Verkehrsinfarkt verhindern können“, sagte der Landrat mit Blick auf die zu Stoßzeiten verstopften Straßen.

NEB-Vorstand Detlef Bröcker informierte seinerseits über den aktuellen Projektstand der Reaktivierung und die weiteren Planungen. Unter anderem kündigte er an, umweltfreundliche Züge mit Brennstoffzellen einsetzen zu wollen. Die mit Wasserstoff betriebenen Aggregate würden nicht nur Schadstoff-Emissionen mindern, sondern auch den Lärmpegel.

Bürgermeister Filippo Smaldino-Stattaus (SPD) und KAG-Vorsitzender Dietmar Seefeldt hatten die Gäste begrüßt. Einige bekamen Gelegenheit, selbst das Wort zu ergreifen. Dabei wurden unter anderem Zweifel laut, dass der Zeitplan eingehalten wird und genug Geld zur Verfügung steht. Eine Einwohnerin, nach eigener Aussage passionierte Rad- und Bahnfahrerin, stellte den anvisierten Zuwachs der Fahrgastzahlen in Zweifel – „nicht bei einem Stundentakt“, sagte sie unter Beifall. Dem wurde mit Verweis auf vorliegende Gutachten widersprochen.

Dennis Hentschel aus Schildow vermisste das Einbeziehen der Betroffenen in die Planungen. Er kündigte die Gründung einer Bürgerinitiative an (www.dialog-heidekrautbahn.de). „Natürlich muss man auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Projektes stellen“, sagte Hentschel unter Beifall.

Eine Antwort auf „Beifall und Gegenwind für die Heidekrautbahn“

  1. Es war eine Veranstaltung, auf der sich die Befürworter*innen und die Akteure der Reaktivierung selbst auf die Schulter klopften und die Bürger*innen durften zuschauen. Zudem wurden die Bürger*innen mit einer 30-minütigen Power Point Präsentation abgestraft.

    Anworten gab es keine! Ein tatsächlicher Dialog fand nicht statt!
    Schade!

    Zweifel und Kritiken an dem Projekt gab es von der Bürgerinitiative „Dialog Heidekrautbahn“.

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