
Das Planfeststellungsverfahren kommt in Bewegung – aber langsam
Wer in den letzten Monaten auf ein konkretes Signal für die Reaktivierung der Stammstrecke gewartet hat, bekommt nun zumindest eine Ansage: Im Laufe des Jahres 2026 sollen die überarbeiteten Planungsunterlagen erneut öffentlich ausgelegt werden – in Berlin und in Brandenburg jeweils separat. Wie wir bereits im Beitrag vom 7. Juni 2025 beschrieben haben, war bis dahin nach dem Erörterungstermin im Herbst 2023 nahezu Funkstille eingetreten. Nun gibt es wenigstens einen Horizont – auch wenn er noch vage bleibt.
Was wurde überarbeitet – und warum?
Nach den Erörterungsterminen Ende 2023 war klar geworden, dass die eingereichten Planungsunterlagen in wesentlichen Teilen nachgebessert werden müssen. Betroffen sind insbesondere die Schallschutzgutachten, die Umweltverträglichkeitsprüfungen sowie Fragen rund um einzelne Bahnübergänge. Das i2030-Projekt und der VBB bestätigen, dass die überarbeiteten Unterlagen den Planfeststellungsbehörden beider Länder zur Prüfung übermittelt wurden. Über das weitere Vorgehen – insbesondere ob eine vollständige oder nur eine teilweise Neuauslage erforderlich wird – entscheiden die Behörden selbst. Verbindliche Aussagen zur Dauer des Verfahrens oder zu einem möglichen Baubeginn gibt es weiterhin nicht.
Bahnhof Wilhelmsruh: Baufortschritt ja – aber getrennt betrachten
Ein häufiges Missverständnis in der öffentlichen Diskussion verdient eine klare Einordnung: Die Bauarbeiten am Bahnhof Berlin-Wilhelmsruh, die seit November 2024 laufen und Anfang 2026 abgeschlossen sein sollen, sind ein eigenständiges Projekt mit bereits rechtskräftigem Planfeststellungsbeschluss. Sie sind kein Indikator dafür, dass auch die Stammstrecke zwischen Wilhelmsruh und dem Abzweig Schönwalde bald gebaut wird. Für diesen rund 14 Kilometer langen Abschnitt fehlt nach wie vor das Planrecht. Der neue Bahnsteig wird also vorerst ohne die Züge fertig, auf die er wartet.
Was bedeutet die Neuauslage für Bürgerinnen und Bürger?
Mit der erneuten Auslage der Planungsunterlagen entsteht erneut eine Möglichkeit zur Beteiligung: Einwendungen können eingebracht, Stellungnahmen abgegeben werden. Wann genau die Auslegung beginnt und wie lange sie dauert, ist noch nicht bekannt. Unser Verein wird die Unterlagen sorgfältig prüfen und – wie 2022 – aktiv am Verfahren teilnehmen. Wir empfehlen allen Interessierten, die offiziellen Bekanntmachungen im Berliner Amtsblatt und in den Brandenburger Kommunalblättern im Auge zu behalten. Sobald konkrete Termine feststehen, informieren wir hier.
Fazit: Ein Schritt, aber kein Durchbruch
Die angekündigte Neuauslage ist ein notwendiger Verfahrensschritt – nicht mehr und nicht weniger. Sie zeigt, dass das Projekt weiterläuft. Sie zeigt aber auch, wie recht jene hatten, die 2022 und 2023 substanzielle Mängel in den Planungsunterlagen benannt haben. Wer heute wissen möchte, wann die ersten Züge wieder auf der Stammstrecke fahren, bekommt keine verlässliche Antwort – weder von der NEB, noch vom VBB, noch von den Ländern. Das ist unbefriedigend. Wir werden das Verfahren weiter begleiten und transparent darüber berichten.
Quellen: i2030.de – Nordbahn/Heidekrautbahn (Stand März 2026); VBB-Pressemitteilung zur 2. Bauphase Wilhelmsruh; entwicklungsstadt.de (November 2025)

