Heidekrautbahn: Sind die Sorgen der Anwohner berechtigt?

Quelle: maz.de / Author & Foto: Helge Treichel

Mit zahlreichen Transparenten machen Schildower derzeit auf ihre Befürchtungen im Zusammenhang mit der geplanten Reaktivierung der Heidekrautbahn auf ihrer alten Stammstrecke aufmerksam. Eine NEB-Sprecherin nimmt dazu auf MAZ-Nachfrage Stellung.

Rund 20 Millionen Euro will die NEB in die Reaktivierung ihrer alten Stammstrecke nach Wilhelmsruh und Gesundbrunnen investieren. Zahlreiche Bürger äußern Ängste und Forderungen. Quelle: Helge Treichel/Bürgerinitiative Heidekrautbahn

Mühlenbecker Land, Mit zahlreichen Plakaten, Laken und Transparenten machen Schildower derzeit auf ihre Befürchtungen im Zusammenhang mit der geplanten Reaktivierung der Heidekrautbahn auf ihrer alten Stammstrecke zwischen Basdorf und Berlin-Wilhelmsruh aufmerksam. Forderungen werden gestellt. „Mittlerweile besteht die Bürgerinitiative ,Dialog Heidekrautbahn’ aus circa 150 engagierten und interessierten Bürgerinnen und Bürgern, die Kritik, aber auch Ängste haben“, sagt Patrick Schumann. Es gehe dabei um Gesundheits- und Umweltschutz, um Glyphosat, Feinstaub, fehlenden Lärmschutz, Schrankenschließ-zeiten und Dieselzüge. Gefordert werden ein Nachtfahrverbot für Güterzüge, Geschwindigkeitsbeschränkungen innerorts, Flüstergleise, Wasserstoffzüge sowie der Wegfall des Bahnhofs Schildow-Nord.

Protestplakate: Flüstergleise gehören zum Forderungskatalog. Quelle: Bürgerinitiative Heidekrautbahn

Bei vielen Einwohnern kommen Fragen oder Unsicherheiten bezüglich der thematisierten Sachverhalte auf. „Ein Großteil der Behauptungen stimmt schlicht und ergreifend nicht“, sagt Katja Tenkoul, die bei der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) die Öffentlichkeitsarbeit für die Heidekrautbahn betreut. Falsch sei zum Beispiel die Behauptung, dass die Strecke nicht bis Gesundbrunnen weitergeführt werden soll. Zwar reiche der Streckenabschnitt, der zum Fahrplanwechsel 2023 in Betrieb gehen soll, tatsächlich nur bis Wilhelmsruh. „Da wir uns auf NEB-eigener Infrastruktur bewegen und Baurecht für den Bahnhof Wilhelmsruh besteht, ist hier eine zügige Umsetzung möglich“, erläutert die Sprecherin.

Für die Verlängerung bis Gesundbrunnen sei die NEB auf die Zusammenarbeit mit der DB Netz AG angewiesen. Ein genauer Termin könne dafür beim jetzigen Planungsstand einfach noch nicht genannt werden.

Die Heidekrautbahn verkehrt bereits abseits ihrer Stammstrecke. Quelle: Helge Treichel

Bei Thema Güterverkehr befürchten die Anwohner nächtliche Lärmbelästigungen. Tatsächlich müssen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) ihre Strecken diskriminierungsfrei zur Verfügung stellen, sagt Katja Tenkoul. Und bereits jetzt überführe der Schienenfahrzeugbauer Stadler Züge auf der Stammstrecke – „bedarfsmäßig, etwa ein- bis zweimal pro Woche“. Dies geschehe jedoch vergleichsweise leise, langsam und nur tagsüber. Eine Nachfrage nach nächtlichem Güterzugverkehr sei dort derzeit nicht erkennbar. Wie sich der Güterverkehr künftig entwickelt, könne derzeit niemand sagen. Jede Angabe dazu wäre „reine Spekulation“. Das betreffe auch Geschwindigkeiten. Die geplante Ertüchtigung auf 80 km/h beziehe sich auf den Personenverkehr, wobei innerorts andere Regelungen gelten. „Da Ängste zu schüren, halte ich für verantwortungslos“, so die NEB-Sprecherin.

Die Stammstrecke der Heidekrautbahn. Quelle: NEB

Die NEB strebe im Zuge der Streckenreaktivierung an, in einem Pilotprojekt Wasserstoffzüge zu kaufen und auf der Heidekrautbahnfahren zu lassen. „Hierzu befindet sich die NEB in Verhandlung mit den verschiedenen Projektpartnern“, so die Sprecherin.

Zum Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenvernichtungsmittel gebe es momentan keine Alternative, sagt Katja Tenkoul. Das gelte für alle Bahnunternehmen. Der Einsatz jedoch sei behördlich genehmigt, streng reglementiert und in Schutzgebieten nicht erlaubt. Die Unkrautbekämpfung sei notwendig, um die Sicherheit der Anlagen zu gewährleisten.

Die Heidekrautbahn. Quelle: NEB

Der Schutz vor Lärm, Schall und Erschütterungen sei Gegenstand von Gutachten, die voraussichtlich bis zum Jahresende erstellt werden. Erst wenn diese vorliegen, könne ein Maßnahmenkatalog daraus abgeleitet werden. Maßnahmen müssten dann ergriffen werden, wenn die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte überschritten werden. Es wäre also verfrüht, jetzt schon Versprechungen zu Lärmschutzwänden oder Flüsterschienen zu machen, so die NEB-Sprecherin.

Ob es in Schildow-Nord einen dritten Haltepunkt für die Gesamtgemeinde gibt, darüber entscheidet die Gemeindevertretung, voraussichtlich im September. In die Planung aufgenommen wurde dieser, weil sonst der Abstand zwischen den Haltepunkten in Schildowund Mühlenbeck zu groß würde, erläutert Katja Tenkoul.

Protestplakate: Die Bürgerinitiative „Dialog Heidekrautbahn“ macht mobil. Quelle: Bürgerinitiative Heidekrautbahn

2 Antworten auf „Heidekrautbahn: Sind die Sorgen der Anwohner berechtigt?“

  1. Schon jetzt ist großer Lärm zwischen Schönwalde und Basdorf Bahnhof . Die Züge rasen hier mit großer Geschwindigkeit bis zu 80kmh entlang .Selbst in der Nacht wird nicht langsam gefahren und dann oft noch richtig lange gehupt.
    NEB sollte mal an die Anwohner denken. Die Gleise sind ausgefahren mit vielen Unebenheiten und das schon seit Jahren.
    Sparen und Profit einfahren heißt hier anscheinend die Devise.
    Flüstergleise sind schon lange überfällig.
    Hier in Basdorf sind nur wenige Bürger für die Erweiterung der Strecke weil die Belastung der Anwohner einfach zu groß wird.

  2. Natürlich sind die Sorgen der Bürger berechtigt.
    Keine Reaktivierung der HKB, das ganze Projekt sollte noch einmal überdacht werden!!
    Die in der Vergangenheit entstandenen Defizite der Verkehrsplanung in unserer Region soll nun die alte Stammstrecke HKB von 1901 auffangen? Das ist ein fauler Kompromiss und keine Glanzleistung.
    Der ÖPNV wird mit Sicherheit nicht gestärkt durch die Nutzung einer alten, einspurigen Strecke. In laufe von Jahrzehnten entstanden unmittelbar an den Gleisen Wohngebiete, nicht durch Wildwuchs, sondern mit erteilten Baugenehmigungen der Gemeinden gewachsen sind. Mit der Reaktivierung der alten Stammstrecke ist die Lebensqualität dahin, Häuser und Grundstücke erfahren einen hohen Wertverlust, die Altersvorsorge wird zu einer Luftnummer.
    Wasserstoffzüge, Flüstergleise und Lärmschutz sind sehr gut, sie waren gute Argumente um für eine Reaktivierung der alten Stammstrecke zu werben. Mit der Umsetzung dieser Argumente wird es wohl eher schwierig, denn Garantien gibt es nicht, Wasserstoffzüge müssen erst noch gebaut werden, Lärmschutz gibt es nur wenn die gesetzlichen Werte überschritten werden und Glyphosat wird weiterhin eingesetzt. Seit wann eigentlich? Warum setzt die NEB keine Alternativen ein, die DB kann das doch auch. Warum die plötzliche Hektik mit der Reaktivierung? Wessen Interessen werden bei diesem Projekt vertreten? Die NEB ist eine Aktiengesellschaft, auch mit regionalen Aktionären wie den Landkreisen Barnim, Oberhavel und Wandlitz.
    Die Interessen der betroffenen Bürger werden jedenfalls nicht vertreten, sie sind im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke geblieben.
    Auch heute sind Erschütterungen an der Tagesordnung, wenn die Waggons von Stadler oder die nostalgische Bahn der Eisenbahnfreunde
    vorbeifahren. Die Stadler Züge wurden in letzter Zeit immer länger, sie fahren plötzlich viel schneller und auch das mehrfache laute Tuten ist neu. Die alten Gleise sind dafür nicht ausgelegt, eine Sanierung schon längst überfällig.
    Die alte Stammstrecke ist mehr als ausgelastet mit dem Stadler Transport und der nostalgischen Eisenbahn. Eine höhere Belastung, egal welcher Art, führt zu einer unzumutbare Belastung für Mensch, Tier und Natur.
    Als Anregung kommen hier 3 sinnvolle und machbare Vorschläge für Veränderungen in unserer Region:
    Vorschlag1: auf der alten Stammstrecke einen Schnell-Radweg von Schönwalde bis Wilhelmsruh bauen
    Vorschlag2:
    Etwas Neues schaffen, zukunftssicher und ökologisch, eine Verlängerung der S-Bahn von Karow über Schönerlinde, Schönwalde, Basdorf, Wandlitz und eventuell bis Groß Schönebeck
    Vorschlag3:
    Die NEB bedient ab Basdorf den Streckenast Wensickendorf, Liebenwalde und Groß Schönebeck. Ein weiter Ausbau bis in die Schorfheide und weiter Richtung Norden wäre auch eine Option.

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