Eine Technologie aus Westfalen – und eine Frage, die sich auch hier stellt.
Während das Planfeststellungsverfahren für die Stammstrecke der Heidekrautbahn weiter auf sich warten lässt, macht andernorts eine ungewöhnliche Mobilitätsidee von sich reden: das sogenannte Monocab. Eine selbstfahrende Kabine auf nur einer Schiene – entwickelt für stillgelegte Strecken im ländlichen Raum. Wir stellen das Konzept vor und fragen: Wäre das auch etwas für unsere Region?
Was ist das Monocab?
Das Monocab ist eine elektrisch betriebene, kreiselstabilisierte Kabine, die auf nur einer Schiene eines normalen Bahngleises balanciert – ähnlich wie ein Zweirad, das in Fahrt nicht umfällt. Der entscheidende Clou: Weil das Fahrzeug nur eine Schiene nutzt, können zwei Kabinen auf einem einzigen Gleis gleichzeitig in entgegengesetzter Richtung aneinander vorbeifahren. Jede Kabine bietet Platz für vier bis sechs Personen, ist barrierefrei gestaltet und lässt sich per App individuell bestellen – rund um die Uhr, ohne festen Fahrplan.
Entwickelt wird das Konzept seit 2020 an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe im Kreis Lippe (NRW), gefördert mit Bundes-, EU- und Landesmitteln in Höhe von bisher über zehn Millionen Euro. 2025 erhielt das Projekt den RegioStars Award der Europäischen Kommission. Ein geregelter Testbetrieb auf einer stillgelegten Strecke in Lippe ist für 2028 geplant.
Noch Forschung – aber mit konkretem Anspruch:
Wir wollen das Monocab nicht schönreden: Die Technologie steckt noch mitten in der Entwicklung. Grundlegende Fragen zur Zulassung, zur Gestaltung von Bahnübergängen und zur Weichendurchfahrt sind noch offen. An Marktreife ist vor Ende der 2030er-Jahre realistisch nicht zu denken. Und das Monocab ist ausdrücklich kein Ersatz für klassischen Schienenverkehr – es soll Lücken schließen, nicht Hauptstrecken ersetzen.
Was das Konzept dennoch interessant macht: Monocabs können auf Gleisen fahren, die für reguläre Züge längst zu marode wären. Die Radlast beträgt nur rund 1,2 Tonnen – gegenüber mindestens 12 Tonnen bei Vollbahnen. Das macht eine kostengünstige Nutzung brachliegender Infrastruktur zumindest theoretisch denkbar – ohne den enormen Aufwand eines klassischen Planfeststellungsverfahrens.
Was das mit der Heidekrautbahn zu tun hat:
Die Stammstrecke von Berlin-Wilhelmsruh nach Basdorf liegt seit über dreißig Jahren brach. Das Planfeststellungsverfahren läuft seit Jahren, ein Beschluss ist weiterhin nicht in Sicht, die Kosten sind erheblich. Vor diesem Hintergrund lohnt sich die Frage: Gibt es Streckenabschnitte oder Zubringer in unserer Region – etwa weniger frequentierte Teilstücke –, bei denen ein leichteres, flexibleres Konzept mittelfristig sinnvoll ergänzen könnte?
Das ist keine Absage an die Reaktivierung der Stammstrecke. Aber es ist eine Einladung zum Nachdenken: Was, wenn die Mobilitätswende auf dem Land nicht nur über jahrelange Planfeststellungsverfahren läuft?
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Wer könnte das anstoßen?
Eine Machbarkeitsprüfung, ob Monocab-Technologie für Teilabschnitte der Heidekrautbahn-Region relevant sein könnte, wäre keine Utopie – wenn jemand den Anstoß gibt. Denkbare Akteure wären der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), das Verkehrsministerium Brandenburg, die Landkreise Oberhavel und Barnim oder auch die NEB selbst. Engagierte Bürgerinnen und Bürger könnten die Frage in Gemeindevertretungen oder Kreistagen einbringen. Und ja – auch ein Bürgerverein wie Dialog Heidekrautbahn e.V. könnte dieses Thema in die öffentliche Debatte tragen.
Wie seht ihr das? Ist das Monocab eine denkbare Perspektive für unsere Region – oder bleibt es ein interessantes Experiment aus dem Westen? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.
Euer Team vom Dialog Heidekrautbahn e.V.
Quellen:
– Euronews, 16. März 2026: Deutschland wandelt stillgelegte Bahnstrecken in Einschienenbahnstrecken um
– Wikipedia: Monocab
– Monocab OWL (Projektwebsite): monocab-owl.de
– ingenieur.de, September 2025: Monocab: Diese Einschienenbahn soll das Auto ablösen


