Pressemitteilung / 12. Juli 2019

BürgerInnen der Bürgerinitiative „Dialog Heidekrautbahn“ (BI) der Gemeinde Mühlenbecker Land (GML) fordern Garantien von der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) und den Einsatz Ihres Bürgermeisters Filippo Smaldino (BM) für unsere Gemeinde bei der Reaktivierung der Stammstrecke der Heidekrautbahn (HKB)

Als Antwort und Stellungnahme auf den Artikel in der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) vom 10. Juli 2019 bezüglich der Aussagen der NEB auf unsere Forderungen nach Garantien, machen wir als BI nochmals deutlich, dass es uns um echte Bürgerbeteiligung geht. Unsere Forderungen unter anderem nach einem Nachtfahrverbot von Güterverkehr und dem Einsatz von Alternativen zum krebserregenden Glyphosat sind nicht auf Phantasien oder Angstmacherei begründet – sondern beruhen auf Fakten. Im Folgenden nehmen wir zu den einzelnen Punkten Stellung:

Anschluss an Gesundbrunnen

Der Anschluss nach Gesundbrunnen wird bis 2030 nicht realisiert werden, wenn er denn überhaupt realisiert wird. So heißt es auch aus internen Kreisen der Deutschen Bahn AG (DB AG). Eine Untersuchung, ob die Züge in 2030 im Durchgangsbahnhof Gesundbrunnen überhaupt wenden können (Kapazitätsauslastung), konnte uns nicht vorgelegt werden. Eine Reaktivierung „nur“ bis Wilhelmsruh ist auch nach Aussagen der NEB unsinnig und unwirtschaftlich.

Nächtlicher Güterverkehr

Entgegen der Aussagen der NEB fahren aktuell in der Woche mindestens 6 bis 8 Züge tagsüber auf der Strecke und es werden noch mehr.

„Die Bedienung des Anschlusses Pankow Park muss sowohl im Zwischenzustand, als auch im Endzustand möglich sein, wobei die Anschlussbedienung hauptsächlich nachts erfolgen soll.“

so steht es in den Planungsunterlagen der NEB. Die Firma Stadler hat große weltweite Ausschreibungen mit sehr hohen Stückzahlen (bspw. 1.500 S-/U-Bahnen für Berlin) gewonnen. Auf Mischverkehrsstrecken fährt der Güterverkehr in der Regel nachts. Wer das nicht glaubt, kann sich gern in Panketal nachts an die Stettiner Bahn stellen.

Da Güterzüge an den Haltepunkten nicht anhalten müssen und die Strecke für eine Streckengeschwindigkeit von 80km/h ausgebaut wird, erfolgt der Güterverkehr auch nachts mit 80 km/h.

Grundsätzlich befürwortet die BI den wirtschaftlichen Aufschwung für Stadler und die Region. Die BI fordert jedoch eine transparente Kommunikation und entsprechende Kompromisse auch auf Seiten der Bahnbetreiber. Nachtfahrverbot und Geschwindigkeitsreduzierung am Tage auf höchstens 30km/h für Güterverkehr.
Denn Lärm macht krank!

Einsatz von Glyphosat

Der Einsatz von glyphosathaltigem Pflanzenvernichtungsmittel ist von der NEB ehrlich beantwortet worden. Jedoch ist dieses Mittel äußerst umstritten und krebserregend (WHO). Dass dies alternativlos sei, können die BürgerInnen so nicht akzeptieren. Im Naturschutzgebiet vor Schildow ist der Einsatz von Glyphosat verboten. Dort überwuchern ebenfalls keine Pflanzen die Gleise und die Betriebssicherheit ist nicht gefährdet. Die gleiche Sorgfalt sollte auch an dicht bebauten Wohnsiedlungen, Kita, Schule und Hort angewendet werden. Die Gemeinde Mühlenbecker Land hat sich gegen den Einsatz von Glyphosat auf ihrem Gemeindegebiet mit überwältigender Mehrheit ausgesprochen.

Lärmschutz

Die Stammstrecke der HKB ist nicht entwidmet und wird reaktiviert. Wenn die NEB nun mitteilt, dass man sich an die gesetzlichen Grenzwerte halten möchte, ist dies löblich, aber davon gehen die BürgerInnen in einem Rechtsstaat aus. Wer sich damit auskennt, wird schnell feststellen, dass das gesetzliche Mindestmaß keinen Lärmschutz vorsieht. Zahlreiche Fachexperten haben uns dies bestätigt.

Die BI fordert, ungeachtet der gesetzlichen vorgegebenen Grenzwerte, einen erweiterten Lärmschutz gerade im Bereich der dicht besiedelten, teilweise nur wenige Meter vom Gleis entfernten Wohnbereiche, sowie an Schule, Kita, Hort und geplantem Altenheim. Hier ist auch die Gemeinde, der Landkreis oder das Land in der Pflicht, entsprechende Förderung zu prüfen und ggf. finanzielle Mittel bereitzustellen. Wir wollen keine Mauer durch den Ort Schildow oder entlang der Schutzgebiete, sondern niedrige Schallschutzwände, die sich in das Ortsbild einfügen.

Beispiel: https://www.heringinternational.com/de/produkte-leistungen/laermschutz/niedrige-schallschutzwaende/

Einsatz von Wasserstoff oder Elektro-Hybrid Fahrzeugen

Die NEB ist bestrebt Wasserstoffzüge auf der Stammstrecke einzusetzen. Hessen hat gerade 27 Wasserstoffzüge des Typs Alstom Coradia iLint, die auch von der NEB eingesetzt werden „sollen“, bestellt und dafür Bundesförderung erhalten. Diese werden dort ab 2023 zum Einsatz kommen.

Hier fordert die BI maximalen Einsatz von allen Beteiligten, um eine gesunde und ökologische Bahn zu liefern und die Finanzierung sicherzustellen.

Die NEB hat bisher versucht ein Bild der HKB für die Öffentlichkeit zu zeichnen, was nicht der aktuellen Faktenlage der Vorplanung entspricht.

Es drängt sich auch der Verdacht auf, dass die gelebte Demokratie in Form der Bürgerinitiative nicht anerkannt wird. Die BürgerInnen mit Vorbehalten und Kritik werden als Lügner und Panikmacher diffamiert.

Bislang erhielt die BI in den Medien wenig Aufmerksamkeit und somit freuen wir uns, dass die BürgerInnen endlich aufwachen und Garantien für Gesundheit und Lebensqualität der HKB einfordern.

Die BI möchte eine umweltfreundliche, moderne und zukunftsorientierte Heidekrautbahn, mit der die BürgerInnen im Einklang und gesund leben können. Wir wollen ÖPNV/SPNV und Gesundheits- und Umweltschutz.

12. Juli 2019
Bürgerinitiative „Dialog Heidekrautbahn“

7 Antworten auf „Pressemitteilung / 12. Juli 2019“

  1. Liebe Bürgerinitiative, als Berliner verfolge ich mit großem Interesse Ihre Aktivitäten. Auch wir hier in Berlin-Wilhelmsruh sind von einer eventuellen Reaktivierung der Heidekrautbahn betroffen. Dem entsprechend haben wir die Informationsveranstaltung der NEB sowie auch die Sitzung des Verkehrsausschusses der BVV-Pankow am 16.5.2019 besucht. Dort hat Herr Bröcker (Geschäftsführer der NEB) persönlich unmissverständlich klar gemacht, dass die NEB plant, mit 80 km/h Züge auf der Stammstrecke fahren zu lassen – ohne Unterscheidung zwischen innerorts und außerorts, Tag oder Nacht. Er wurde sogar von einem BVV-Abgeordneten auf die Möglichkeit einer Geschwindigkeitslimitierung innerorts angesprochen, welche er empört von sich wies. Umso verwunderlicher ist nun die Aussage in dem Zeitungsartikel der MAZ, dass innerorts ganz andere Regeln gelten würden. Schon lange haben wir hier den Eindruck, dass die an NEB – diplomatisch ausgedrückt – sehr nebulös kommuniziert. Dieser Zeitungsartikel und die sich widersprechenden Aussagen der NEB, bestätigen uns nun in dieser Annahme. Insofern bleibt bitte dran.

  2. Aus Schönwalde
    Es ist schade das immer nach Verbesserungen gerufen wird, aber diese nicht in meinem Umfeld passieren sollen. Bahnlinien, Stromtrassen, Verkehrsbesserungen ja, aber nur nicht bei mir.
    Das ist doch sehr egoistisch. Wie soll man den umweltfreundlich zur Arbeit fahren, wenn die von der Initiative bevorzugte Alternative nur das Auto ist… Das sagen Sie so nicht. Könnte den einen oder anderen ja zum Nachdenken bringen.
    Und in ein Umfeld zu ziehen und dieses nur für mich umzugestalten, ohne Rücksicht auf andere. Man zieht an eine Bahnlinie deren Betreiber seit Betriebsübernahme von der DB AG die Reaktivierung offiziell betreibt und möchte das dann verhindern. „Es stört mich eben.“
    Und Unwahrheiten zu verbreiten, Einstellung des Zugverkehrs über Schönerlinde, ist unterirdisch.
    Übrigen wohne ich seit 13 Jahren an der NEB und mein Haus steht noch. Und meine Ärztin bestätigt mir, dass ich bisher keinen bleibenden Schaden davongetragen habe. Und seit 10 Jahren fahre ich auch jeden Tag mit der NEB. Die Züge werden zwar immer voller, aber ich möchte sie nicht mehr missen.
    Dazu dann noch wissentlich mit der vorhanden Angst der Anwohner zu spielen, indem man falsche, leider auch in den Medien so verbreitet, Informationen zu Unkrautmitteln streut ist schlicht dumm. Oder haben Sie sich mal die Mühe gemacht nicht bei der Bild-Zeitung abzuschreiben, sondern seriös im Internet dazu zu recherchieren. Z.B. auf den Seiten des kanadischen Agrarministeriums.
    Ich jedenfalls, auch meine in Mühlenbeck und Schildow wohnenden Kollegen, freue mich auf die Reaktivierung der „Stammstrecke“.

    1. Lieber Herr Falkenhagen,

      schade dass Sie eine solche Meinung von der Bürgerinitiative und den Bürgern haben. Anscheinend haben Sie dann aber auch nicht genau gelesen und sich informiert. Es ist unmissverständlich klargestellt und extra hervorgehoben.

      „Die BI möchte eine umweltfreundliche, moderne und zukunftsorientierte Heidekrautbahn, mit der die BürgerInnen im Einklang und gesund leben können. Wir wollen ÖPNV/SPNV und Gesundheits- und Umweltschutz.“

      Das macht die Hälfte Ihrer Aussage inhaltslos.
      Ihnen als Schönwalder wird diese Strecke über die Stammstrecke nichts bringen, es sei denn der Ast über Karow wird eines Tages doch nicht mehr bedient und Sie dürfen mit etwas Fahrzeitverlängerung über die Stammstrecke fahren.

      Grüße nach Schönwalde

    2. Sehr geehrter Herr Falkenhagen,
      wir sind nicht gegen Verbesserungen, aber ist eine Diesebetriebene, langsamere HKB im Stundentakt besser als eine schnelle, emmisionsfreie S-Bahn im 20 min Takt?
      Ihre Feststellung das wir das Aoto als Alternative sehen ist leider falsch. ich selbst fahre seit knapp 20Jahren jeden Tag mit der S-Bahn nach Berlin und obwohl ein Bahnhof der HKB unweit meines Wohnhauses ist, wird es für mich keine Alternative zur S-Bahn werden.
      Wenn Sie sich genau mit dem Them beassen werden sie schnell feststellen das die NEB die Strecken nicht reaktivieren möchte, sondern wesentlich verändern. Das heißt konkret das die Anzahl der Züge verdoppelt werden soll, sie statt 50km/h zuküntig 80/100km/h fahren sollen und die zulässigen Radsatzlasten deutlich erhöht werden. Das ist inetwa so als wenn sie eine Anliegerstraße in eine Landesstraße umwidmen möchten.

      Wir verbreiten keine Unwahrheiten. Wenn Sie sich die NKU von 2010 anschauen, so werden sie sehen, dass die wirtschaflichste Variante die über die Stammstrecke mit Stilllegung des Streckenastes über Schönerlinde ist. Die Variante beide Streckenäste zu betreiben ist unwirtschaflicher, vor allem bei den geringen vorandenen und zukünftigen Fahrgastzahlen (VBB-Studie von 2017/2018). Also was wird wohl passieren wenn die Gelder in Berlin mal wieder knapp werden? Dreimal dürfen Sie raten…

      Das es so gut um ihre Gesundeit steht freut uns, trotzdem gibt es zahlreiche renomierte Studien die beweisen dass Lärm krnak macht. Wir fordern nur ein Mindestmaß an Lärmschutz. Aus unserer Sicht sind wir damit im Einklang mit dem Grundgesetz §2.
      Was das Haus betrit, so glaube ich nicht, das aktuell die Güterzüge bei Ihnen mit 80/100 km/h vorbei fahren.

      Stimmt die Züge werden immer voller, deshalb verstehenwir ja auch nicht wieso die NEB/Länder die vorhandenen 200m Bahnsteige auf 120/140m kürzen möchten. Wir sehen das als nicht zukunftsorientiert an.

      Ich finde es sehr mutig von Ihnen die Aussagen der WHO und zweier höchstrichterlicher Urteile in den USA sowie 10.000 Menschen die an Krebs erkrankt sind als dumm zu bezeichen. Erste Länder in der EU haben den Einsatz von Glyphost verboten.

      Ich habe recht genau zu dem Thema Glyphosat recherchiert. Auch die von Lobbyisten geführten Ausarbeitungen sind mir bekannt. Wenn wir uns nicht weiter entwickelt hätten, würden wir noch immer auf einer Scheibe leben…

      Auch wir freuen uns auf eine Heidkrautbahn, mit emmissionsfreien Wasserstoffzügen, ohne Glyphosateinsatz, im Einklang mit der Bevölkerung, ohne nächtliche Güterzüge und zukunftsfähig ausgerichtet.

  3. Bravo Herr Falkenhagen, Sie sprechen das aus was viele denken, aber warum auch immer die Bühne der BI überlassen. Leider spiegelt das Verhalten die „Ich-Zuerst-Mentalität“ wieder, die scheinbar das Maß aller Dinge geworden ist. Windkraft ja bitte, aber Bitteschön auf keinen Fall in meiner Nähe. Auch ich als Schildower freue mich wenn ich endlich in Schildow in den Zug steigen kann.

    1. Hallo Sebastian M.,
      sie können sich gerne bei uns mit engagieren und einbringen. Uns geht es nicht um „Ich-zuerst“ sondern um eine zukunftsfähige Lösung für die HKB. Sie können sich aber nur so lange freuen, solange sie dann auch einen Stehplatz im zug noch bekommen in Schildow. Oder sie engagieren sich mit uns dafür das längere Bahnsteige für die HKB kommen und die Zuglängen auch dem Bedarf angepasst werden können.
      Ganz nebenbei haben sie aktuell auch schon die Möglichkeit mit der S-Bahn aus unserer Gemeinde nach Berlin zu kommen und das emmisionsfrei und schnell.

  4. Ein großes Dankeschön für das Engagement der Bürgerinitiative Schildow und Mitstreiter aus weiteren Gemeinden

    Es ist schon erstaunlich wofür die alte Stammstrecke der HKB herhalten soll. Die Defizite der vergangenen Jahrzehnte in der Verkehrsplanung soll nun eine alte Strecke von 1901 auffangen?
    Dieses alte Gleis, diese kleine alte Stammstrecke soll den ÖPNV stärken und den Verkehrsinfarkt entlasten?
    Das ist ein fauler Kompromiss.
    Das können unsere gewählten Volksvertreter sicherlich besser.
    Sie sollten Größe zeigen und Fehler eingestehen, das ganze Projekt überdenken und etwas Neues, großes planen, etwas zukunftsfähiges und ökologisches, mit Einbeziehung der Bürger.
    Das ist bisher nicht passiert, entstandene Wohnsiedlungen unmittelbar an der alten Strecke entstehen zu lassen und Jahrzehnte später die alte Strecke für einen Dauerbetrieb wieder zu Reaktivierung, das hat nun wirklich nix mit Planung zu tun.
    Mit der Reaktivierung der alten Stammstrecke ist die Lebensqualität dahin, Häuser und Grundstücke erfahren einen hohen Wertverlust, die Altersvorsorge wird zu einer Luftnummer.
    Wessen Interessen werden hier vertreten?

    Die Sorgen und Bedenken der Bürger sind berechtigt.
    Auch heute sind Erschütterungen an der Tagesordnung, wenn die Waggons von Stadler oder die nostalgische Bahn der Eisenbahnfreunde vorbeifahren.
    Die Stadler Züge wurden in letzter Zeit immer länger, sie fahren plötzlich viel schneller und auch das mehrfache laute Tuten ist neu. Die alten Gleise sind dafür nicht ausgelegt, eine Sanierung schon längst überfällig.
    Die alte Stammstrecke ist mehr als ausgelastet mit dem Stadler Transport und der nostalgischen Eisenbahn. Eine höhere Belastung, egal welcher Art, führt zu einer unzumutbare Belastung für Mensch, Tier und Natur.
    Für so ein großes Projekt gab es keine Bürgerabstimmung, warum eigentlich nicht?
    Wenn es um Wahlen geht, sind wir Bürger ja auch erreichbar, dann ist der Briefkasten der „erste Ansprechpartner“.

    Wir haben eine aktive HKB, eine Sanierung würde ihr guttun.

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