Sonderfahrt der Heidekrautbahn

Am Montag, den 22.07.2019 fand eine Sonderfahrt der NEB zwischen Schildow und Schönwalde statt. Eingeladen waren Angehörige der Gemeindevertretungen vom Mühlenbecker Land und Wandlitz sowie Vertreter unserer Bürgerinitiative. An der Veranstaltung nahmen neben Herrn Dellmann, Herrn Bröcker und Herrn Garkisch von der NEB auch ein Vertreter des VBB, des Landesministeriums für Infrastruktur und Landesplanung sowie das von der Gemeine MLB beauftragte Planungsbüro „Gruppe Planwerk“ aus Berlin teil. Alle standen für Fragen zur Verfügung. Die ca. 50 Personen kamen auch untereinander ins Gespräch.

Ziel der Veranstaltung war es, durch das Befahren der Strecke, über den derzeitigen Planungsstand zu informieren, kritische Punkte zu diskutieren und Anregungen der Gemeinden und Bürger aufzunehmen. Die Fahrt wurde von allen Beteiligten als positiv angesehen, kam man doch endlich ins Gespräch und auch wir Bürger fühlten uns erhört, unsere Fragen wurden weitgehend geduldig – wenn auch nicht zwangsläufig zufriedenstellend – beantwortet. Einige Fragen konnten nicht beantwortet werden und einigen Fragen ist man etwas ausgewichen.

An jedem geplanten Haltepunkt wurden die Fragen zu diesem Standort diskutiert. Themen waren vorrangig die Lage des Haltepunktes, die Zugänge, P&R-Anbindungen und Fahrradstellplätze. Aber auch zum Lärmschutz speziell an den Haltepunkten wurden Fragen gesteĺlt. Zudem waren die Verbindungen zu angrenzenden Bus- und Bahnlinien ein Thema. Am Endpunkt in Schönwalde wurde am intensivsten diskutiert, da hier die übergreifenden und kritischsten Punkte angesprochen wurden. Die von der Bürgerinitiative und nun auch teilweise von einzelnen Vertretern der Gemeinden vorgebrachten Sorgen und die daraus resultierenden Forderungen zu den Themenkomplexen Glyphosat, Lärmschutz (allgemein), Einsatz von Wasserstoffzügen und den Erhalt der Streckenführung über Karow und Gesundbrunnen kamen zur Sprache. Es gab genügend Zeit, um Fragen zu stellen. Jeder, der wollte, kam zu Wort.

Hier die wichtigsten Aussagen zum Gesamtprojekt:

Grundlage der weiteren Planung ist die vorliegende Vorplanung, wobei die NEB eingestehen musste, dass die an die Gemeinden übergebenen Unterlagen zwischenzeitlich erheblich fortgeschrieben wurden. Ab Herbst soll dann in die Detailplanung gegangen werden. Hier ist die Zuarbeit der Gemeinde dringend und zwingend erforderlich. Das Lärm- und Erschütterungsgutachten liegt noch nicht vor, wird dann aber allen Beteiligten zur Kenntnis gegeben, um auch das Einspruchsrecht zu wahren.

Das Projekt ist ein Modellprojekt und es gab deshalb kein Ausschreibungsverfahren im herkömmlichen Sinne. Gekoppelt ist dies an den Einsatz von Wasserstoffzügen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese tatsächlich zum Einsatz kommen, ist sehr groß. Dies hat sich seit dem Frühjahr offenbar wesentlich geändert. Beide Länder und die NEB wollen das unbedingt!! Und werden sich mit allen Mitteln dafür einsetzen. Derzeit ist es schwierig bei der Finanzierung vom Bund entsprechende Gelder zur Unterstützung zu erhalten. In diesem Zusammenhang sollen aber Fördermittel des Bundes aquiriert werden. Für den Fall, dass die Finanzierung und somit der Einsatz der Wasserstoffzüge nicht realisiert werden können, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Ausschreibung nochmal komplett überarbeitet werden muss, da sich die Grundlagen dann wesentlich geändert haben. Sollte die Finanzierungszusagen so spät erfolgen, dass die rechtzeitige Auslieferung der neuen Zügen nicht möglich ist, wird es für den Übergangszeitraum den Einsatz von einem Dieselzug auf unserer Strecke geben. Die Gefahr, dass diese Übergangszeit sich über mehrere Jahre hinziehen und somit längere Zeit Dieseltriebwagen fahren, besteht offenbar nicht, da die NEB ihren Fuhrpark mit Wasserstoffzügen nach und nach ersetzen und von Neuanschaffungen von Dieseltriebfahrzeugen absehen möchte. Für den 1-stündigen Betrieb wird nur 1 Zug benötigt, der bei späterer Auslieferung der Wasserdtoffzüge aus der derzeitigen Flotte (Dieseltriebwagen) gestellt wird. Auch auf der derzeitigen Strecke über Karow sollen zukünftig Wasserstoffzüge zum Einsatz kommen.

Sämtliche Bahnsteige sind neu zu bauen und sollen 140 m lang und 2,50 m breit werden. Dies ist das technisch notwendige Mindestmaß, wobei hier die Gemeinden sich für breitere Bahnsteige (3,0 oder 3,50 m) einsetzen wollen, da, wie von uns in die Diskussion eingebracht, eine Breite von 2,50 m für einen reibungslosen Begegnungsverkehr z.B. mit Fahrrädern oder Kinderwagen zu schmal ist.

Alle Bahnübergänge auf der befahrenen Strecke werden technisch gesichert, also mit Schranken versehen. Pfeifen an den Übergängen im Streckenabschnitt Wilhelmsruh bis Schönwalde entfällt definitiv. Die Finanzierung teilen sich je nach Zuständigkeit die NEB, der Bund, die Bundesländer Berlin bzw. Brandenburg und die Gemeinden MüLa bzw. Wandlitz. Die Schrankenschließzeiten sollen ca. 2 Minuten betragen. Eine technische Verbindung mit nahegelegenen LSA (Ampeln) oder mit der Feuerwehr (in Schildow) ist nicht vorgesehen. Auch hier gilt es vor allem für die Gemeinde MüLa die eventuelle Notwendigkeit eigenständig nochmals prüfen zu lassen.

Die Frage nach dem Umstieg in Wilhelmsruh auf die S1, die im Berufsverkehr bereits jetzt schon immer sehr voll ist, und ob dann dort mehr Takte geplant sind, wurde verneint. Dies verdeutlicht leider, dass eine realistische Prüfung hinsichtlich zu erwartenden HKB-Nutzern und damit zusätzlich notwendigem Bedarf bei der S1 offenbar bislang nicht erfolgt ist.

Der Anschluss nach Gesundbrunnen soll schnellstmöglich und im Rahmen des Gesamtprojektes i2030 erfolgen. Auf diese Darstellung legen speziell die Verantwortlichen der NEB, vom VBB und der Länder großen Wert. Auf einen konkreten Zeitplan möchte man sich aber nicht festlegen. Suggeriert wurde, dass 2033 sehr fiktiv ist und die Anbindung schneller erfolgen soll. Durch diese Terminaufweichung ist aber auch festzustellen, dass der bisher öffentlich kommunizierte Zeitraum bis 2030 leider keineswegs gesichert ist.

Eine durch die BI angeregte Durchbindung weiter nach Berlin hinein bzw. weiter nach Süden z.B. bis zum BER soll nach Aussage des VBB aufgrund fehlender freier Trassen (hohe Streckenauslastung zwischen Gesundbrunnen und Südkreuz) nicht möglich sein. Der Halbstundentakt ist bis Klosterfelde geplant, eine Taktverdichtung nach Groß Schönebeck ist jedoch nicht geplant. Die Streckenführung über Karow soll erhalten bleiben, zumindest für die nächsten 15 Jahre, da diese vom Land und vom VBB gerade erst neu beauftragt wurde.

Zu den notwendigen Bahnbaumaßnahmen ist zu erwähnen, dass der gesamte Oberbau (Schotter, Schwellen und Schienen) und teilweise auch der Unterbau komplett erneuert wird. Flüsterschienen o.ä. sind nicht geplant, es sei denn, das Ergebnis des Lärmschutzgutachten enthält entsprechende Auflagen.

Glyphosat wird von Seiten der NEB solange ausgebracht, wie es gesetzlich erlaubt ist. Nach Auskunft der NEB erfolgt dies derzeit 1-2x jährlich. Die Ausführung erfolgt nicht durch die NEB selbst, sondern es wird ein spezielles Unternehmen damit beauftragt, da hierfür spezielle Fahrzeugtechnik notwendig ist.

Nächtlicher Güterverkehr wird zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber weder Stadler noch die Eisenbahnerfreunde wollen die Strecke nachts nutzen. Die Strecke wird nunmehr so geplant, dass der Güterverkehr und der Gelegenheitsverkehr zusätzlich zum geplanten Betrieb der NEB, also zwischen den Takten des PNV, fahren soll. Dies ist eine positive Veränderung gegenüber den Planunterlagen, welche der Gemeinde und den Gemeindevertretern vorliegt.

Zusammenfassend sind positiv hervorzuheben die ausdrücklichen Zusagen, dass alles nur Mögliche getan wird, um die Wasserstoffzüge zum Einsatz zu bringen. Auch die Planungen für den Güterverkehr in den Tagesstunden wurde mit Wohlwollen aufgenommen. Geteilte Meinungen gibt es bei der Anbindung bis Gesundbrunnen. Für die einen ist die Aussage „schnellstmöglich“ eine positive Entwicklung. Für die Anderen ist dies ein Rückschritt, da die bisherigen öffentlichen Aussagen „bis spätestens 2030“ nun zu einem „schnellstmöglich“ ohne eine konkrete Jahreszahl als spätestes Ziel aufgeweicht wurde.

Negativ hingegen kamen die rigorose Ablehnung sämtlicher zusätzlicher Kostenübernehmen für Lärmschutz und den Einsatz ökologischer Unkrautvernichtungstechniken an. Die NEB ist nicht bereit, mehr als nötig in dieses Projekt zu investieren. Hier wird eine große Chance vertan für die Akzeptanz bei den Bürgern und kann auf weite Sicht gesehen, einen Imageverlust des regionalen Unternehmens nach sich ziehen. Zu den kritischen Punkten gab es aber nicht nur von den Vertretern der Bürgerinitiative weitere Nachfragen. Auch die Bürgermeister und Ortsvorsteher forderten hier mehr Zusagen von Seiten der NEB. Dies muss im Zuge der Planungsvereinbarungen nun durch die Politik verhandelt und festgeschrieben werden.

Fazit: Unsere Arbeit zeigt erste Erfolge. Wir sind aber noch lange nicht am Ziel. Erst wenn der Großteil unserer Forderungen schriftlich in den Vereinbarungen niedergelegt wurde, kann unser Engagement zu Ende sein. Entscheidend werden nun der Ausgang des Lärm- und Erschütterungsgutachtens sowie die weiteren Planungen der NEB sein. Dann beginnt ein neuer Abschnitt unserer Arbeit.

Wir haben also noch viel zu tun. Wir bleiben dran.


Eure Bürgerinitiative „Dialog Heidekrautbahn“

Hier finden Sie den Ergänzungsbeitrag zum Haltepunk Schildow Nord und dem Haltepunk Mühlenbeck.

2 Antworten auf „Sonderfahrt der Heidekrautbahn“

  1. Ein wirklich gute und sachlich präzise Wiedergabe der Sonderfahrt. Ich freue mich auf unseren verabredeten Austausch. Ich bin zuversichtlich, gemeinsam erreichen wir noch so einige Zugeständnisse der NEB. Bis dann. Mit besten Grüßen Filippo Smaldino

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